Sprachlich angekommen

„Heute in einem Jahr möchte ich mit Spanisch sprachlich so weit sein, wie ich es jetzt in Englisch bin.“….

 

…. sagte ich, als ich Mitte November 2015 zum ersten Mal in die Sprachschule gegangen bin. Mit einigen Unterbrechungen habe ich nun insgesamt drei Monate dort verbracht und mehr Grammatik gelernt als ich in meinem ganzen Leben in Englisch jemals hatte. Und überhaupt kann man das so gar nicht mit einander vergleichen. Mit dem Englischlernen habe ich in der 5. Klasse begonnen, was bedeutet, dass ich nun mehr als 20 Jahre Zeit hatte mich da an ein gewisses Niveau heranzuarbeiten. Das geht wahrscheinlich den meisten so. Englisch ist allgegenwärtig, in Europa wächst man heutzutage quasi damit auf.

 

Ich wusste also, dass mein Ziel ziemlich ambitioniert war, aber Mama und Papa haben ja immer gesagt, dass „von nichts auch nichts kommt“ und „man auch Ziele haben muss, die unerreichbar scheinen“.

 

Gut, kann ja keiner ahnen, dass es da einfach mal 12 verschiedene Zeitformen gibt, 12.793 (mindestens) unregelmäßige Verben, dessen Endungen beim Konjugieren sich manchmal nur durch EINEN Buchstaben – oder schlimmer noch – durch eine sogenannte „Tilde“ (´) unterscheiden. Muss ich also auch noch auf die Betonung/Aussprache achten. Apropos: dieses doppelte R, dass man so schön rollen kann. Das klingt bei Muttersprachlern dann wie der Vibrationsalarm eines Telefons, nur in laut. Wenn man’s denn kann. Kann ich aber nicht, denn ich komm aus dem Norden und die Leute da können eben meistens verdammt noch mal kein „rr“ aussprechen. So gibt es bei mir zum Beispiel keinen Unterschied zwischen „aber“ (pero) und „Hund“ (perro).

 

Doch es gab in den letzten 12 Wochen Sprachschule noch andere Hürden. Vor allem in den ersten Stunden hatte ich echt Probleme mir Vokabeln zu merken und habe oft, zur Belustigung aller Anwesenden, Wörter vertauscht.

Einmal sollte ich den Ort beschreiben an dem wir geheiratet haben. Zu diesem Zeitpunkt war mein Wortschatz wahnsinnig klein und so habe ich versucht aus den Wörtern, die ich bereits kannte eine Geschichte zu basteln. Mir fehlte das Wort für Apfelbaum, also wollte ich in etwa sagen: es war in einem Garten mit vielen Bäumen und diese Bäume trugen Äpfel. Blöd nur, dass ich dabei die Wörter „Bäume“ (árbol) und „Oma“ (abuela) verwechselt habe.

Erst als mein Lehrer mich dann ganz interessiert gefragt hat, ob das denn in Deutschland Tradition ist, kamen mir erste Zweifel an der Richtigkeit meiner Wortwahl. „Hat das eine symbolische Bedeutung, dass sich Omas in einem Garten versammeln und Äpfel tragen?“ Nein, natürlich nicht, ich kann nur einfach die Vokabeln nicht…

 

Ein anderes Mal haben wir gerade verschiedene Vergangenheitsformen gelernt und über das Mittelalter gesprochen. Ich wollte sagen, dass Ritter auf Pferden geritten sind. Leider sind die Wörter „Pferd“ (caballo) und Zwiebel (cebolla) sich relativ ähnlich. In meiner Geschichte sind die Ritter dann also auf Zwiebeln geritten. Das war schon ganz lustig.

 

Trotz allen Startschwierigkeiten habe ich es nach nur drei Monaten Sprachschule irgendwie geschafft das Niveau B1 abzuschließen. Ich bin ein bisschen stolz und werde nun fleißig versuchen das geballte theoretische Wissen in der Praxis anzuwenden.

 

Bild 2
Auszug aus dem Abschlussexamen
Bild 1
Bettina (ebenfalls Expat-Frau, aus Österreich) und ich mit unseren Zertifikaten 🙂

Saludos desde Lima!

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5 Gedanken zu “Sprachlich angekommen

  1. Classic! And the visuals I got imagining knights riding around on onions — priceless! 🙂
    One of these days I’m going to actually start speaking some Spanish, too, and now I almost can’t wait to find out what kind of mistakes I’ll end up making. I doubt they’ll be half as sweet as yours 😀

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  2. Finde ich super!

    Ich verwechsle übrigens auch gerne die Bedeutung von Sopa. Neulich habe ich bei den Hot Springe gefragt, ob ich meine sopa denn auch mit unter die Dusche nehmen darf 😀

    Gruß aus Chile

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